Epoche um 1280

Wir, die Gruppe Concordia Cubilis, befinden uns anno domini 1280. Zur besseren Orientierung, hier eine kurze Zeiteinteilung des Mittelalters:

Frühmittelalter (6. Jahrhundert bis Anfang 10. Jhd)
Die Epoche der Merowinger und Karolinger
Hochmittelalter (Anfang 10. Jhd. bis ca. 1250)
Die Zeit der Ottonen, Salier und Staufer
Spätmittelalter (ca. 1250 bis ca. 1500)
Der Herbst des Mittelalters, nach dem Scheitern der klassischen Kaiseridee

Wir befinden uns also im Jahr des Herrn 1280 und sind noch sehr stark geprägt von den Idealen des Rittertums, den Kreuzzügen sowie dem Prinzip des Lehens- oder Feudalwesen, das als "gottgegeben" galt.
Dies spiegelt sich wieder in der großen Heidelberger Liederhandschrift, der Codex Manesse, die wir für unsere Darstellung als Vorbild nehmen. Diese Codex Manesse entstand um 1300 herum und dokumentiert das Hochmittelalter .

Doch um 1280 kündigt sich eine neue Entwicklung in der Gesellschaft an. Es ist die Übergangszeit vom Hochmittelalter in das Spätmittelalter. Als wichtiges Indiz für diesen Wandel in das Spätmittelalter ist das Interregnum (die Periode zwischen der Absetzung Kaiser Friedrichs II. durch Papst Innozenz IV. im Jahre 1245 und der Wahl Rudolfs I. zum König im Jahre 1273).
Im Allgemeinen wird der Beginn des Interregnums mit dem Tode Friedrichs II im Jahre 1250, im Besonderen mit dem Tode Konrads IV. im Jahre 1254 angesetzt.
Während des Interregnums versuchten die Bischöfe und Fürsten ihre Ansprüche und Territorien zu vergrößern.
So unterdrückten sie andere mindermächtige Adelige, bekämpften das städtische Bürgertum und rissen widerrechtlich Reichslehen an sich, außerdem führten sie Zölle, neue Steuern und sogar Regalien aller Art ein, um ihren persönlichen Reichtum zu vergrößern.
Auch der Niederadel, allen voran das Rittertum, stand den Großen um nichts nach, auch wenn ihre Methoden weniger subtil waren. So führten sie ein regelrechtes Raubleben, sie plünderten Dörfer und überfielen Handelswagen der Städte oder verschleppten Reisende in ihre Burgverliese, um Lösegeld erpressen zu können. Grund hierfür war auch, dass der Ritterstand nach dem Ende der Kreuzzüge und Romfahrten seine vornehmste kriegerische Stellung eingebüßt hatte und in eine schwere wirtschaftliche Krise gestürzt worden war. Er verlor immer mehr seine frühere Macht an das aufstrebende Bürgertum, und diesem Niedergang versuchten viele Ritter eben durch rohe Gewalt zu entgehen, so dass es dann letztendlich zum bekannten Raubrittertum kam.

Das Interregnum endete erst 1273 mit der Wahl Rudolf I. von Habsburg zum König. Nach Auseinandersetzungen mit dem König von Böhmen, Přemysl Ottokar II., den Rudolf I. in der Schlacht auf dem Marchfeld am 26. August 1278 besiegte, erwarb er Österreich, die Steiermark und die Krain und legte so die Grundlage für den Aufstieg des Hauses Habsburg zur mächtigsten Dynastie im Reich.

Das Hochmittelalter war auch eine Blütezeit der geistlichen Orden. Die wichtigsten Orden des Hochmittelalters sind neben den Zisterziensern die Bettelorden der Dominikaner und Franziskaner. Letzterer Orden wurde von Papst Innozenz III im Jahre 1215 bestätigt.

Am 18. Mai 1291 nahmen moslemische Armeen die Hafenstadt Akkon, die letzte christliche Festung im Heiligen Land, ein. Dieses Ereignis bedeutete nur noch formal das Ende der Kreuzzüge. Schon lange zuvor hatte sich die Lage des „Abendlandes“ verändert. Die Kreuzzüge schufen die Voraussetzung für kulturelle und wirtschaftliche Kontakte mit Byzanz und den weiter östlich gelegenen islamischen Gebieten. Byzanz war der Marktplatz, auf dem es praktisch alles gab, und Europa lernte neue Handelswaren kennen, Seidenstoffe, Gewürze, Obst und Spiegel aus Glas. Die meisten Güter waren nur für die reichen Europäer erschwinglich, doch mit dem Handel und Transport ließ sich Geld verdienen.
Die neu erwachte Geldwirtschaft war noch jung, in Oberitalien entstanden die ersten banche, die Stuben der italienischen Geldwechsler und Kreditverleiher – das Bankenwesen entstand und somit ein weitere Schritt in eine neue Denkwelt.

Mit dem Handel finden auch neue oder wiederentdeckte Ideen nach Europa, Bildung wurde in den Vordergrund gerückt. Es entstanden Dom- und Klosterschulen und die ersten Universitäten wurden gegründet. Neben Theologie wurden vor allem die Fächer Medizin und Jura gelehrt.
Lesen und Schreiben waren nun nicht mehr nur Fertigkeiten des Klerus, sondern zunehmend auch von Teilen der Beamten (Ministeriale) und Teilen des Adels. Die Literatur bediente die neuen Leser, indem sie nicht nur geistliche und philosophische Themen verarbeitete. Es wurde nicht mehr nur in lateinischer Sprache, sondern auch in Landessprache geschrieben.

Für alle Brillenträger: Die ersten Brillen kamen in Europa um 1280 auf. Sie hatten noch keine Bügel und besaßen konvex geschliffene Linsen, die sie nur für weitsichtige Menschen zum Lesen geeignet machten. Wenn also immer mehr Menschen anfingen zu lesen, war es nur logisch, dass dafür auch Hilfsmittel entwickelt wurden.
Diese Bildungsrevolution wurde durch die Wiederentdeckung antiker Schriften ermöglicht, die aus dem arabischen bzw. byzantinischen Bereich durch die Kreuzzüge nach Westeuropa gelangten. So wird zum Beispiel Aristoteles zur wichtigsten nicht-christlichen Autorität innerhalb der Scholastik. Infolge dieses Prozesses bestimmte nun die Scholastik das wissenschaftliche Denken.
Dazu ist besonders hervorzuheben der im Jahre 1280 gestorbene Albertus Magnus (* um 1200 in Lauingen an der Donau; † 15. November 1280 in Köln). Er war wegbereitend für den christlichen Aristotelismus des hohen Mittelalters.
Sein großes, vielseitiges Wissen verschaffte ihm den Namen Magnus (der Große), den Titel Kirchenlehrer und den Ehrentitel doctor universalis. Er kannte die antike und zeitgenössische Fachliteratur und wollte das Wissen seiner Zeit vollständig erfassen und in Lehrbüchern verständlich darlegen. Die mehr als 70 Abhandlungen und Bücher ergäben heute etwa 22.000 Druckseiten. Albertus Magnus setzte sich auch auf kirchenpolitischer Ebene massiv für die Aufnahme der aristotelischen Werke in den Kanon christlicher Schulen ein.

Ebenfalls im Jahr 1280 verstarb nach 3 jährigen Pontifikat Papst Nikolaus III. Er war vom
25. November 1277 bis zu seinem Tod am 22. August 1280 Papst.

Aus der Sicht der Architektur und Kunst befinden wir uns in der Hochgotik, die sich von 1250 – 1350 erstreckt. Die Bezeichnung Gotik (v. ital. gotico ‚fremdartig‘, ‚barbarisch‘; ursprünglich ein Schimpfwort, abgeleitet von der Bezeichnung der Goten) wurde in der Renaissance durch den italienischen Kunsttheoretiker Giorgio Vasari geprägt, der damit seine Geringschätzung der mittelalterlichen Kunst gegenüber dem goldenen Zeitalter der Antike ausdrückte.

Diese Entwicklungen (Interregnum, Entwicklung der Wissenschaft, Hochgotik, Bankensystem) führten vom Hochmittelalter in die nächste Epoche, das Spätmittelalter.
Als Spätmittelalter wird der Zeitraum von ca. 1250 bis 1500 bezeichnet, der das europäische Mittelalter abschließt und in die Renaissance mündet. Eine generelle zeitliche Eingrenzung des Übergangs vom Spätmittelalter in die Renaissance ist nicht möglich, da sich die Renaissance in den verschiedenen europäischen Regionen unterschiedlich schnell ausbreitete.

Wir sind also noch vom Hochmittelalter und seinen Idealen geprägt und erleben gerade den Übergang ins Spätmittelalter.
Zu diesem Zeitpunkt wissen wir noch nicht, dass das Jahr 1300 von Papst Bonifatius VIII. als das „Heilige Jahr“ ausgerufen wird.
Auch ist uns unbekannt, dass die Templer am Freitag, den 13. Oktober 1307 der Ketzerei angeklagt und am 18. März 1314 mit der Verbrennung des letzten Großmeisters des Templerordens, Jacques de Molay, vernichtet werden.
Wir wissen zu diesem Zeitpunkt auch nicht, dass das Papsttum mit Clemens V (einem Franzosen) März 1309 nach Avignon umzieht und die „babylonische Gefangenschaft“ bis ins Jahr 1377 dauert, als Gregor XI seine Residenz endlich wieder zurück nach Rom verlegt.

Denn – wir leben zurzeit im Jahre 1280. Und das, was noch kommt, ist noch lange hin – oder?