Bankette & festliche Tafeley

Bankett ist dem italienischen „banco“ für Bank entliehen.
Ein Bankett ist ein Festessen in Form einer gemeinsamen Mahlzeit im feierlichen Rahmen zu einem besonderen Anlass oder zu Ehren eines Gastes. Sie waren Höhepunkte von Hoftagen, wurden veranstaltet bei Verlobungen, Hochzeiten, u.ä. Aber auch Siegeszüge und Turniere waren Anlass für ein ausgiebiges Bankett.

Natürlich waren großzügige, verschwenderische Bankette auch ein gutes Mittel Macht und gesellschaftliche Stellung zum Ausdruck zu bringen.

Einer der Regeln bei Banketten und feierlichen Anlässen war:
Der Ehrengast saß immer rechts vom Gastgeber (ist auch heute noch so!).
Der Grund: Rechts ist die Schwerthand des Gastgebers, auf der linken Seite trug der Gast das Schwert – also vom Gastgeber aus gesehen rechts. Sollte nun der Gast es wagen, das Schwert ziehen zu wollen, war die "Schwerthand" des Gastgebers schon am Schwert des Gastes und verhinderte dies sofort. Da es nicht möglich war, den Gast zu "entwaffnen", in dem man ihn bat das Schwert abzulegen, brauchte man diese Schutzmaßnahme. Deshalb wurde der Gast also an der rechten Seite vom Gast platziert.
Auf der folgenden Buchillustration von Jean Fouquet, Mitte 15. Jahrhundert ist dies sehr schön zu erkennen.
Der französische König Karl V. (Zentrum, im blauem Gewand) hatte im Jahre 1378 in Paris den deutschen Kaiser Karl IV (rechts, im gelben Gewand) zu Gast.

Die weiteren Gäste wurden in abnehmender Rangfolge links und rechts platziert. Jeder Teilnehmer des Banketts hat zwei Messer, einen Salzbehälter, Serviette, Brot und einen Teller.
Dies ist ebenfalls ein wichtiges Indiz für die Rangfolge:
Je näher der Gast an Salz und diversen Gewürzen (waren sehr kostbar) saß, desto höher der Stellenwert in der Gesellschaft und das sein Ansehen.

Der Ablauf eines Banketts:
Stühle und Bänke standen bei adeligen Festmahlen nur an einer Seite des Tisches, damit die Pagen von der anderen Tischseite aus servieren konnten. Wie oben schon erwähnt, wurde die Sitzordnung von der Hierarchie bestimmt und diese legte auch fest, dass der Rangniedere dem Ranghöheren die Speisen anzureichen und ihm die besten Stücke vorzulegen hatte.
Feierlich zog die Dienerschaft in den Festsaal ein. Kämmerer und Edelknappen trugen Becken zum Händewaschen und Tücher zum Abtrocknen. Ihnen folgten Diener mit Kerzen und Schenken mit Kannen und Krügen. Anschließend folgten Sänger und Musikanten.

Für den geordneten Ablauf eines Bankettes sorgten:

  • Der Truckseß war zuständig für Einhaltung des Protokolls und der Sitzordnung.
  • Die Schenken sorgten für Getränke.
  • Die Fürschneider zerteilten die Speisen mundgerecht.
Zu jedem Gang eines adeligen Banketts wurden mehrere Gerichte aufgetragen, von denen ein Gast aber keineswegs von allen aß.
Gerichte wurden den ranghöchsten Personen zuerst angeboten. Den Personen, die entsprechend ihrem Rang an den Tischenden saßen, wurde nur serviert, was Ranghöhere nicht verzehrten.

Von Frauen wurde besondere Mäßigung erwartet, so dass sie sich häufig vorher in den Frauengemächern satt aßen.
Wichtig zu wissen: Im frühen Mittelalter waren Frauen von Banketten und Festmahlen ausgeschlossen; sie aßen unter sich in den Frauengemächern. Erst mit der Zeit des Minnekultes wurde ihre Anwesenheit bei den adeligen Festmahlen üblich.

Die Bediensteten standen im angemessenen Abstand, stets einsatzbereit, am Tisch. Vor dem Mahl und zwischen den Gängen reichten Knappen den Gästen flache Wasserschalen und Leinentücher, damit sie sich die Hände waschen konnten. Wer sich die fettigen Finger an der Kleidung abwischte, hastig aß oder unmäßig trank, verstieß nicht nur gegen die guten Sitten:
Die mittelalterliche Gesellschaft schloss vom Verhalten bei Tisch auf den Charakter und Stand eines Menschen.

Auch gab es so genannte Tischzuchten. Dies waren lehrhafte, meist gereimte Dichtungen des 12. – 16. Jahrhunderts mit Vorschriften über das Verhalten bei Tisch.
Sie entstammten der Klosterkultur, waren im 13. Jahrhundert ritterlich und im ausgehenden Mittelalter bürgerlich geprägt. Diese Reime lernten schon die kleinen Kinder auswendig.
"Greiff auch nach keiner speise mehr, Biß dir dein mund sey worden leer! Red nicht mit vollem mund! Sey messig. Sey in der schüssel nit gefressig."

Das kunstvolle Tranchieren einzelner Fleischstücke fand im Verlauf des Mittelalters zunehmend im Speisesaal statt und gehörte zu den unterhaltsamen Bestandteilen des Festmahls.
Der Tranchierende zählte gewöhnlich zu den ranghöchsten der anwesenden Männer und stellte mit einem gewandten Vorgehen seine Kultiviertheit unter Beweis.
Von den Gästen erwartete man, dass sie ihr eigenes Messer mitbringen würden, um ihre Fleischportion feiner zu schneiden. Nur hoch gestellte Gäste konnten erwarten, dass ihnen der Gastgeber ein Messer am Platz bereit legen würde.

Noch ein Wort zur Gabel:
Während Gabeln in der byzantinischen Kultur mindestens seit dem 6. Jahrhundert in Gebrauch und im 10. Jahrhundert weit verbreitet waren, machte die westliche Kirche dagegen geltend, dass die menschlichen Finger würdig genug seien, Gottes Gaben zu berühren. Die Gabel wurde aufgrund ihrer Form als Werkzeug des Teufels angesehen und daher nicht verwendet.
Bei den heidnischen Normannen, die die Gabel vermutlich in Byzanz kennen gelernt hatten, waren zweizinkige Modelle in Gebrauch, wie Funde in Birka und Haithabu belegen.
Erst gegen Ende des Mittelalters stellten Gabeln auch in Mitteleuropa keine schockierende Neuerung mehr dar.
Eine der byzantinischen Kultur vergleichbare Nutzung von Gabeln hat sich in der europäischen Esskultur jedoch erst in der frühen Neuzeit durchgesetzt.