Rudolf I. von Habsburg

Rudolf I. von Habsburg

 * 1. Mai 1218 auf Burg Limburg am Kaiserstuhl; in Speyer als Rudolf IV. Graf von Habsburg, Kyburg, Löwenstein und Landgraf im Thurgau.

Ab 1273 war er als Rudolf I. römisch-deutsche König, zudem Herzog von Kärnten und Krain, sowie von Österreich und der Steiermark.
† 15. Juli 1291


Rudolf I. von Habsburg

  • beendete das Interregnum,
  • besiegte den böhmischen König Ottokar II.,
  • setzte den Landfrieden sowie die Hofrechtsprechung in Teilen des Reiches durch,
  • im Rahmen seiner Möglichkeiten stärkte er das Königtum,
  • legte er die Grundlage für die Macht seiner Familie,
  • gilt als eine der populärsten Herrscherfiguren des deutschen Mittelalters.

Um die Approbation des Papstes zu seiner Wahl zu erlangen, sandte Rudolf im Dezember 1273 seinen Kanzler Otto, Propst von Sankt Wido in Speyer, zu Gregor X. in Lyon.
Durch eine zweite Gesandtschaft gelang es ihm, dem Papst vorzuspiegeln, er wolle sich dem geplanten Kreuzzug nach Palästina anschließen. Er versprach, die Italienpolitik der Staufer nicht zu erneuern und von früheren Königen der Kurie gewährte Privilegien zu bestätigen. Rudolf erhielt auch auf dem Konzil von Lyon (1274) die Unterstützung der anwesenden deutschen Geistlichen. Hierdurch wurden die von Ottokar II. Přemysl. (König von Böhmen) vorgetragenen Beschwerden in den Augen des Papstes unwesentlich.

Am 26. September 1274
erteilte er die Approbation zu Rudolfs Königswahl. Um im Reich einen allgemeinen Frieden zu erhalten, bestätigte Rudolf Einzelheiten des Mainzer Reichslandfriedens von 1235. Gemeinsam mit der Wahrung des Landfriedens verfolgte Rudolf die Wiederherstellung entfremdeten Reichsguts (Revindikationspolitik).
Im Nürnberger Hoftag im November 1274 erfolgte die Definition des zurückzugebenden Reichsguts. 

Die größte Schwierigkeit für Rudolf I. während seiner ersten Regierungsjahre lag in dem Konflikt mit Ottokar II. Přemysl. Dieser verweigerte die Anerkennung Rudolfs als König. Mai 1275 auf den Reichstag in Augsburg: Ottokar II. lies sich durch Bischof Wernhard von Seckau vertreten, um sich vor den Reichsfürsten zu rechtfertigen, da er seine Besitzungen im österreichischen Raum in der Zeit des Interregnums unter anzweifelbaren Umständen erworben hatte.

Wernhards provokantes Auftreten bewirkte, dass Ottokars Ländereien für an das Reich heimgefallen erklärt wurden und über Ottokar im selben Jahr die Reichsacht verhängt wurde.

Rudolf I. versuchte zu dieser Zeit, Ottokars Position durch Verbindungen zu benachbarten Fürsten durch eine Heiratpolitik zu schwächen.

Anfang Oktober 1276: In kurzer Zeit fielen der Kärntner und Krainer Adel von Ottokar II. ab. Seine Autorität war bereits derart geschwächt, dass er den Abfall der österreichischen Ministerialen nicht verhindern konnte. Ungarische Angriffe schwächten Ottokars Stellung weiter. Noch im Oktober 1276 wurde ein Waffenstillstand geschlossen. Ein Schiedsgericht entschied am 21. November 1276, dass Ottokar auf seine Rechte auf Österreich, Steiermark, Kärnten, Krain, die Windische Mark, Eger und Pordenone verzichten musste.

Ottokar musste Rudolfs Königtum anerkennen und Böhmen und Mähren als Lehen empfangen. Ein Sohn Rudolfs sollte eine Tochter Ottokars heiraten und eine Tochter Rudolfs Ottokars Sohn Wenzel. (auch hier wieder ist die Heiratspolitik der Habsburger eine wirksame Form der Diplomatie).

Am 25. November 1276 empfing Ottokar seine Lehen von Rudolf I. Ottokar soll hierzu in prunkvollen Gewändern erschienen sein, während Rudolf I. in einem grauen Wams auf einem schlichten Holzschemel sitzend die Belehnung vorgenommen haben soll. Dies hätte eine umso größere Demütigung für Ottokar bedeutet. Aus dem Frieden von Wien ergab sich für Rudolf das Problem, dass er die wegen der Mitgift für seine Tochter verpfändeten Besitzungen nördlich der Donau zwangsläufig an die Přemysliden verlieren musste. In der folgenden Zeit kam es daher wiederholt zu Auseinandersetzungen wegen der Nichteinhaltung von Abmachungen.

In zwei weiteren Friedensverträgen vom 6. Mai und 12. September 1277 wurden Rudolf auch Besitzungen nördlich der Donau zuerkannt. Im April und Mai 1278 kam es in Österreich zu Aufständen von Anhängern Ottokars, die ab Juni 1278 von böhmischen Truppen unterstützt wurden.

Während Rudolf noch mit der Aufstellung einer Armee beschäftigt war, fiel Ottokar mit überlegenen Truppen in Österreich ein. Er verlor jedoch entscheidende Zeit bei der Belagerung strategisch unbedeutender Orte. So konnte sich Rudolf mit seinen ungarischen Verbündeten vereinen und Ottokar zur Entscheidungsschlacht auf dem Marchfeld zwingen.

Am 26. August 1278 trafen hier die etwa gleichstarken Heere mit jeweils ca. 30.000 Rittern aufeinander. Sie gilt als eine der größten Ritterschlachten Europas neben der Schlacht von Hastings 1066.

Rudolf selbst geriet während der Schlacht in Lebensgefahr, als ihn ein feindlicher Ritter aus dem Sattel warf. Der König entkam nur durch die Hilfe eines nordschweizer Ritters. Die Schlacht wurde schließlich durch eine kleine Gruppe von Berittenen entschieden, die sich auf Anordnung Rudolfs bis zu ihrem Eingreifen verborgen hatten. Ottokar starb nach der Schlacht durch die Hand persönlicher Feinde. Ende Oktober 1278 wurden die Friedensverhandlungen zum Abschluss gebracht. Während die Přemysliden ihre Ansprüche auf die österreichischen Besitzungen aufgeben mussten, erhielten sie Böhmen und Mähren als Reichslehen.

Rudolf I. durfte Mähren fünf Jahre einbehalten, um seine Kriegskosten decken zu können. Nachdem die Reichsgüter Ottokars an das Reich zurückgefallen waren, belehnte Rudolf mit Einverständnis der Kurfürsten 1282 seine Söhne Albrecht und Rudolf mit Österreich, Steiermark, Krain und der Windischen Mark und erhob sie in den Reichsfürstenstand. Die Grundlage der späteren Herrschaft der Habsburger war damit geschaffen.

Der Versuch, Albrecht die Thronnachfolge zu sichern, scheiterte daran, dass es Rudolf nie gelang, zum Kaiser gekrönt zu werden. Damit hätte Rudolf noch zu seinen Lebzeiten Albrecht die römisch-deutsche Königskrone sichern können. Doch gab es während Rudolfs Regierungszeit insgesamt acht Päpste, zwei fest vereinbarte Krönungstermine kamen nie zustande. Erst Heinrich VII. sollte es gelingen, sich zum Kaiser krönen zu lassen.

Rudolf verstarb am 15. Juli 1291 in Speyer. Vor allem auf Grund der Befürchtungen der Kurfürsten, Albrecht könnte – gestützt auf seine Hausmacht – zu mächtig werden, wurde nicht der einzig überlebende Sohn Albrecht sein Nachfolger, sondern Graf Adolf von Nassau. Bis zu dessen Wahl gab es jedoch erneut ein Interregnum von fast einem Jahr.

Rudolfs Grab befindet sich im Speyerer Dom.
Der Sargdeckel zeigt ein lebensnahes Abbild des Königs, das laut Information des Domkapitels des Speyerer Doms bereits vor seinem Tode geschaffen wurde. Das Gesicht zeigt die für die Habsburger charakteristische markante Nase und ist vom Alter und von den Sorgen des Herrschers gezeichnet.